IHK – Thema „Handel digital“

Einige Unternehmen im Einzelhandel haben bereits eine Strategie, wie sie mit ihrem Unternehmen auch im digitalen Zeitalter weiterhin neben der Konkurrenz bestehen wollen. 
Viele Händler jedoch scheuen den Aufwand und sind sich unsicher, ob eine Präsenz in der „digitalen Welt“ für ihr Unternehmen überhaupt nötig ist.

Folgendes Interview der IHK Nord-Westfalen mit Herrn Holger Rohde möchten wir Ihnen daher ans Herz legen, denn die IHK Nord-Westfalen ist davon überzeugt: Die Digitalisierung erfasst immer mehr Bereiche der Wirtschaft und möchte mit diesem Interview den Unternehmen Impulse zur Digitalisierung der Geschäftsprozesse geben. 
Holger Rohde ist Geschäftsführer der „Business Academy Ruhr“.

 

Wie Händler das Netz nutzen

Ein Alltag ohne Internet ist heute kaum noch denkbar. Genau dort setzt das digitale Marketing an. In einem IHK-Workshop erklärt Holger Rohde, wie Händler ihre Website, Facebook & Co. effektiv nutzen können.

IHK: Wie verändert sich das Einkaufsverhalten der Kunden?

Holger Rohde: Durch den digitalen Wandel der Gesellschaft und die Mobilität hat sich das Kaufverhalten der Menschen in den letzten 20 Jahren stark verändert. 41 Prozent der Konsumenten recherchieren heutzutage online über Produkte und kaufen anschließend vermehrt per Mausklick und Smartphone bequem von zu Hause aus. Die Folge: Während der stationäre Handel stagniert, verzeichnet der Onlinehandel Zuwächse. Die Prognose der Experten: Der Anteil der Onlineumsätze im Einzelhandel wird 2020 bei bis zu 22 Prozent liegen.

IHK: Welche digitalen Voraussetzungen sollten die Einzelhändler haben, um diese Änderungen für sich zu nutzen?

Holger Rohde: Angesichts dieser Entwicklung kann ein Onlineshop für lokale Einzelhändler aus meiner Sicht eine sinnvolle Lösung sein. Allerdings nur dann, wenn sich mein Angebot von der Masse unterscheidet. Es gibt inzwischen viele Software-Lösungen, die es auch Laien ermöglichen, einen florierenden Onlinehandel neben dem stationären Geschäft aufzubauen. Darüber hinaus ist eine aktuelle Website, die bei Google gut gefunden wird, ein Muss. Wer die Kunden schon direkt bei seinen Internetrecherchen abholt, hat auch große Chancen, den Zuschlag für den Kauf zu erhalten. Auch Kundenbindung oder Service über Social-Media-Kanäle zu bieten, hat sich längst bewährt und wird vom Kunden immer stärker gefordert.

IHK: Welche Formen des Onlinemarketing bieten sich an?

Holger Rohde: Das gute „alte“ Email-Marketing, also ein regelmäßiger Newsletter, ist auf jeden Fall ein effektiver Weg, ohne Umwege seine Kunden zu erreichen. Neben der Website sowie Präsenzen auf den relevanten sozialen Netzwerken kann auch die gezielte Anzeigenwerbung auf Google oder Facebook sinnvoll sein. Damit alle Maßnahmen ineinander greifen und effektiv wirken, sollten die Einzelhändler im Vorfeld unbedingt eine Strategie für das Onlinemarketing entwerfen. Sonst stehen häufig Aufwand und Ertrag in keinem guten Verhältnis.

IHK: Was sind die wichtigsten Regeln für die Gestaltung der Website und den Auftritt in den sozialen Medien?

Holger Rohde: Man muss sich immer vor Augen halten, dass Präsenzen im Internet die Visitenkarte oder das Schaufenster des Einzelhändlers sind. Niemand würde sein Schaufenster ohne Dekoration präsentieren oder dem Kunden eine schmuddelige, alte Visitenkarte überreichen. Deshalb mein Tipp: Räumen Sie Ihre Website auf. Wenn sie älter ist als fünf Jahre, sollten sie über einen Relaunch nachdenken. Fünf Jahre sind im Internet eine halbe Ewigkeit! Das Gleiche gilt für die sozialen Netzwerke. Seriöse Profile und ansprechende, für die Zielgruppe nützliche Informationen: Damit haben schon viele Einzelhändler große Erfolge erzielt. Und keine Angst vor einem Shitstorm: Reagieren Sie schnell und vielleicht mit einem kleinen Augenzwinkern und der Sturm zieht so schnell vorbei wie er gekommen ist.

[Quelle: IHK Nord-Westfalen Wirtschaftsspiegel, Ausgabe 02/2016, S. 51, Fr. Britta Zurstraßen]
Das originale Interview können Sie auch hier nachlesen.


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